Kaiser Josephs II. Einsatz für
die 'Irrenpflege'
Eingeschlossen,
angekettet, kontrolliert und observiert wurden die 'Wahnwitzigen' Wiens in
Josephs II. "Gugelhupf".
In einem
ringförmigen Gebäude mit fünf Stockwerken wurden ab 1784 die ‚Wahnwitzigen‘
Wiens untergebracht. Joseph II., unter dessen Anleitung die Irrenanstalt gebaut
worden war, markierte somit den Beginn der „Irrenpflege“ in Europa. Ganz im
Sinne des aufgeklärten Vernunftdenkens, das typisch für dieses Jahrhundert war,
hielt er in einem Hofdekret von 1781 fest, wen er im „Gugelhupf“ unterzubringen
gedachte, nämlich:
„Jene, die
Schaden oder Eckel verursachen (…) Wahnwitzige und mit Krebsen oder mit solchen
Schäden behaftete Personen, welche aus der allgemeinen Gesellschaft, und aus
den Augen deren Menschen müssen entfernt werden (…).“
Der
Narrenturm, welcher von den WienerInnen wegen seines Aussehens noch heute
„Gugelhupf“ genannt wird, stand außerhalb der Stadtmauern und an der äußersten
Stelle des Zentralkrankenhaus-Komplexes. Hinter dicken Bretter- und
Gittertüren, in kleinen Zellen untergebracht, wurden die Irren verwahrt und von
der Gesellschaft aus- und abgegrenzt.
Die runde
Architektur des Narrenturms begünstigte eine strenge Observierung der Insassen
von allen Seiten. Der ‚Ausschluss der Unvernunft‘ unterstand damals dem
Aufgabenbereich der „medizinischen Polizey“, die für die öffentliche Sicherheit
zu sorgen hatte, da die unmittelbare Zuständigkeit der Medizin im 18.
Jahrhundert noch keineswegs geklärt war. Gering war daher auch die Anzahl der
Irren, da noch keine pathologischen und psychiatrischen Gutachten über diese
Krankheit befanden. Ob Irre, BettlerInnen oder MüßiggängerInnen, sie alle
zählten zur Gruppe der ‚Armen‘. Erst mit dem Bau von Armenanstalten, Zuchtanstalten,
Arbeitshäusern, Findelhäusern und dem Narrenturm begann Schritt für Schritt
eine soziale Ausdifferenzierung. Abnormale und asoziale Personen sollten nach
Möglichkeit nun mit entsprechenden Maßnahmen resozialisiert werden. So
unterschied man im Folgenden zwischen ‚heilbaren‘ und ‚unheilbaren‘ Irren. Die
Unheilbaren verblieben weiterhin im Narrenturm.
Mit all
diesen Institutionen, Anstalten und Kontrollorganen versuchte der Staat sich
genauestens über die Bevölkerung zu informieren. Diese zentrale Überwachung und
Sozialdisziplinierung ‚von oben‘ charakterisiert den aufgeklärten Absolutismus
Josephs II. Erst im 19. Jahrhundert tauchte der Begriff „Geisteskranke“ auf und
damit auch ein neuer Status. Der Irre wurde in den medizinischen Diskurs
überführt und zum potenziellen heilbaren Patienten.
copyright Text:
Anita
Winkler
copyright Foto:
Silvermoon
Persönliche Anmerkung:
Ich muss gestehen, dass es mich mehr faszinierte als erwartet. Die Führung zeigt und birgt vieles mehr als versprochen und die Dauer von 45 Min einer Führung geht so rasch um als wären es nur 10 Minuten. Wem der Eintritt von 6 Euro nicht zu teuer ist, dem würde ich diesen Besuch im Narrenturm wärmstens empfehlen!
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen