„Na, wie findest Du meine neuen Hosen.“ Als Mann sollte man solche
kritischen Fragen seiner Holden nicht stellen. Das weiß ich seit
gestern
Szenenwechsel. Ich stehe vor ihr. Der verhängnisvolle Satz fällt: „Na, wie findest Du meine neuen Hosen?“
Meine
Holde wirft einen skeptischen Blick auf die beiden neuerworbenen
Prachtstücke – und dann einen irgendwie eigenartigen Blick auf mich.
„Bring bitte noch den Müll raus.“
Was soll denn jetzt diese Antwort?
„Gefallen Sie dir nicht?“, frage ich sicherheitshalber.
„Doch, doch. Ist mal was anderes."
„Wie, ist mal was anderes? Das sind zwei wunderschöne Hosen. Passen perfekt. Soll ich sie mal anziehen?“
„Nicht jetzt. Gleich kommen zwei Freundinnen. Und du musst dich noch umziehen.“
„Dann kann ich sie ja gleich anziehen. Hier, die Braune. Die passt gut zu dem karierten Hemd.“
„Das Hemd ist gerade nicht da. Und die Hose also, ich hab dir schon was raus gelegt.“
Wieso
habe ich jetzt bloß das Gefühl, das mein Hosenkauf nur bei mir
Begeisterungsstürme auslöst? Und was war das für ein verdächtiger Satz
mit meinem karierten Hemd? Meinem LIEBLINGSHEMD! Nachdenklich kratze ich
mich am Hinterkopf. Und je länger ich darüber nachdenke, umso bewusster
wird es mir: Ich habe mein Lieblingshemd verdächtig lange nicht
gesehen. Und wenn ich länger darüber nachdenke, fehlt auch die braune,
etwas ausgebeulte, aber sehr, sehr bequeme Cordhose. Herrje, und da
fehlen ja noch andere Sachen!
„Wo ist eigentlich meine Lieblings-Cordhose?“ frage ich.
„Die ist leider beim Bügeln verunglückt und musste in die Altkleidersammlung.“
„Und wo ist mein „I love Biertrinker“-T-Shirt?“
„Beim Waschen eingelaufen.“
„Und was ist mit meinen Schlumpf-Socken?“
„Da ist einer in der Waschmaschine verschwunden.“
„Und wo ist meine gestreifte Übergangsjacke.“
„Die habe ich die hast du mal in der Bahn vergessen.“
Sehr verdächtig das alles!
„Wieso kommen eigentlich immer meine Sachen weg?“, frage ich entsprechend empört.
„Das sind unersetzliche Stücke, die ich immerhin mit in diese Beziehung gebracht habe!“
„Das weiß ich nicht, so was kann passieren. Und Du hast ja noch genug zum Anziehen.“
„Ich
will aber nicht genug zum Anziehen haben. Ich will DIESE Sachen zum
Anziehen haben. Die können doch so schlecht nicht sein. Du hast mich
schließlich damit kennen gelernt. Und, sind wir heute zusammen, oder
nicht.“
„Ja, aber doch nicht wegen deiner Kleidung, sondern trotz!“
Was für eine Antwort.
„Du willst also sagen, dass ich mich nicht anzuziehen weiß.“
„Doch schon. Seitdem du mit mir zusammen bist.“
„Und wohl erst, seitdem Du systematisch meine Lieblingskleidung vernichtest, was?“
„Niemand
vernichtet deine Lieblingskleidung. Das kommt schon mal vor, dass
Sachen beim Bügeln verbrennen oder beim Waschen einlaufen.“
„Aber warum kommt das nur bei meinen Sachen vor. Dir ist noch nie ein T-Shirt eingelaufen.“
„Ich habe ja auch nicht solche T-Shirts.“
Verärgert
stapfe ich mit meinen beiden neuen Hosen ins obere Stockwerk. Und ich
werde eine der beiden heute Abend DOCH anziehen. Zusammen mit dem
Ringelhemd, das ich ebenfalls mit in diese Beziehung eingebracht habe.
So wie mich. Und ich möchte schließlich auch nicht auf dem Bügelbrett
hingerichtet oder in der Waschmaschine kleingewaschen werden.
Ich
reiße meinen Schrank auf. Ein langer suchender Blick und dann der Ruf
ins Stockwerk tiefer: „Wo ist denn mein Ringelhemd?“ „Das haben die in
der Reinigung verloren. Aber die haben das voll bezahlt. Ich habe Dir
dafür das schöne weiße Hemd gekauft. Ich hab’s Dir schon rausgelegt“
Ich
renne wieder nach unten. „Mein Ringelhemd? Mein allerbestes, mein
allerliebstes und schönstes Hemd hast Du gegen ein schnödes, weißes Hemd
ausgetauscht?“
„Ich habe es nicht ausgetauscht, ich habe es Dir
stattdessen gekauft. ICH kann doch nichts dafür, dass Dein Hemd in der
Reinigung verschwunden ist. Außerdem “, die Holde seufzt, „habe jetzt
keine Zeit mehr, mich mit Dir über Deine Kleidung zu unterhalten. Zieh
bitte diese Hose aus und zieh das an, was ich Dir raus gelegt habe. Die
schwarze Jeans und das weiße Hemd.“
Grummelnd drehe ich mich um
und gehe wieder nach oben. Und dann irgendwann ist es so weit. Die
beiden lange nicht gesehenen Freundinnen meiner Holden trudeln ein.
Küsschen hier, Küsschen da. Ein Nicken in meine Richtung. Schon wenden
sich beide Freundinnen tuschelnd meiner Holden zu: „Er kann sich ja
sogar mal richtig nett anziehen “
Na, wenn die wüssten. Zum
Beispiel, wie ich in meiner ausgebeulten Cordhose mit dem Ringelhemd
aussehe. Also mit genau den Sachen, die ich mir morgen wiederbeschaffen
werde. Ich wird so was schon noch irgendwo finden. Na, meine Holde wird
sich aber freuen, wenn diese Sachen wieder da sind!

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